Abschied nehmen

Ich hasse Abschied nehmen.

Aber das Leben geht Hand in Hand mit dem Tod und man muss die Tatsache hinnehmen, dass ein geliebter Mensch oder Familienmitglied geht. Es ist Zeit loszulassen, aber keiner kann sich darauf vorbereiten.

Gestern um 16.20 Uhr nahm ich Abschied von unserer treuen Lucky. 
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Es war ein ganz normaler Samstag, den ich mit Einkaufen, Putzen und Verabredungen geplant habe. Gegen 15 Uhr  klingelte mein Telefon und meine Mutter teilte mir mit, dass es unserer Lucky nicht gut geht. Sie hat sich ins Arbeitszimmer gelegt (wie an jeden normalen Tag auch) und regte sich nicht mehr. Seltsam.

Lucky hatte bereits 15 Jahre auf dem Buckel, aber Sie war topfit. Es traf mich also wie ein Schlag, als ich hörte, dass es Ihr nicht so gut ging.

Meine Eltern und meine schnell herbeigeeilte Schwester brachten Sie dann zum Nottierarzt, der Ihnen mitteilte, dass Lucky wohl einen Schlaganfall bekommen hat. In leiser Vorahnung war ich schon auf dem Weg zum Bahnhof, als mich meine Mutter anrief. Sie sagte, dass Lucky es nicht packen wird. Ich solle mit dem Arzt reden.

Der Arzt erklärte mir ruhig und gefasst, dass unser Hund es nicht bis heute Abend schaffen wird. Wir können nicht auf mich warten, da es dem Hund nur Schmerzen bereitet. Sie leidet. Wir haben nun zwei Möglichkeiten: 1) wir bringen Lucky nach Hause und warten die Nacht ab oder b) wir schläfern Sie ein. Es wird keine dritte Möglichkeit geben.

Tausend Gedanken schwirrten durch meinen Kopf, Tränen schossen mir in die Augen und ich brach am Hauptbahnhof zusammen. Ich wusste, dass es zu spät war. Es würde keinen Sinn machen, in den ICE zu steigen und nach Hause zu fahren. Ich werde meinen Hund nicht mehr lebend sehen. 

Ich habe Tierbesitzer nie verstanden, die Ihr Tier eingeschläfert haben. Ich konnte mir nie vorstellen meine beiden Hunde einzuschläfern. Nun, jetzt verstehe ich Sie. Wenn man sein Tier liebt, dann will man nicht das es am Ende leidet. Wenn du langsam siehst, wie ihre Augen glasig werden, sie keine Kraft mehr zu kämpfen haben und nur noch gerade so leben, dann ist es besser loszulassen und nicht an etwas festzuhalten, das keinen Sinn mehr macht.

Lucky „Babymaus“ Pham wurde 15 Jahre und 57 Tage alt. Sie erblickte im Dezember 2000 das Licht der Welt und wurde drei Monate später unser erster Hund.

Ich weiß noch, wie alles vor über 15 Jahren anfing. Wir fuhren nach Limbach zum Züchter. Papa sagte, dass wir uns zwischen zwei Welpen entscheiden sollten, einem Rüden und dir. Du warst so klein und so verspielt. An meinen Dockers Schuhen hast du gespielt und meine Schnürsenkel zerbissen. Es stand schnell fest, dass du unser Hund sein wirst.

Die letzten Jahre vergingen wie im Flug und doch waren wir wir. Egal, was ich machte, wo ich war oder welche Entscheidungen ich traf, DU warst immer da. Du hast mich, meine Schwester, unsere Eltern und jeden so akzeptiert und geliebt. Du hattest keine Vorurteile und warst uns bis zum Ende treu. 

Als große Schwester warst du vorbildlich zu Mimi. Du hast sie unter die Fittiche genommen und Ihr alles gezeigt. Wenn Sie dich morgen ärgerte, dir am Ohr knabberte oder einfach mal die Mimi hat raus hängen ließ, hast du nichts gesagt. Du hattest keine Angst von ihr, sondern warst einfach zu erhaben, um dich von ihr ärgern zu lassen.

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Es stand schon seit einiger Zeit fest, dass wir sicherlich keine zwei oder drei Jahre mehr haben werden, denn 15 ist schon ein stolzes Alter für eine Hündin. Vor drei Jahren, als ich in Vietnam war, erhielt ich die Nachricht, dass du taub geworden ist. Dieses Defizit war aber gar nicht so schlimm, da du jetzt gechillter warst. An Sylvester machte dir der Lärm nichts mehr aus, auch andere Hunde konnten dich nun nicht mehr nerven.

Mit den Jahren wolltest du nicht mehr spielen, sondern lieber lange schlafen. Aber wenn einer von uns heim kam, so standest du doch auf und hießt uns mit deinem Schwanzwackeln willkommen. Und wenn es Essen gab, so warst du wieder hell wach und voll dabei. Jede Nacht bist du aufgestanden und hast deine Runde durch das Haus gedreht. Auch wenn du älter wurdest, warst du bis zum letzten Atemzug unser Wachhund, der sein Revier verteidigte und uns liebte.

Wir hatten 5.533 wunderschöne gemeinsame Tage. 132792 Stunden, die unser Leben veränderten.

Du warst nicht nur ein Hund. Du warst, nein bist, ein Familienmitglied, das  früher gegangen ist. Du hast dein Leben in vollen Zügen gelebt, niemals bereust und nun bist du gegangen. 

Es ist ein Abschied. Aber kein Abschied für immer. Wir sehen uns bald wieder Lucky.

Danke für 15 wunderschöne Jahre. Danke, dass du immer für uns da warst. Wir werden dich niemals vergessen. Ich liebe dich. Bis zum letzten Atemzug.

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I just can’t believe you’re gone
Still waiting for morning to come
Wanna see if the sun will rise even without you by my side
When we have so much in store tell me what is it I’m reaching for
When we’re through building memories I’ll hold yesterday in my heart
They can take tomorrow and the plans we made
They can take the music that we never played
All the broken dreams take everything
Just take it away
But they can never have yesterday
They can take the future that we’ll never know
They can take the places that we said we would go
All the broken dreams take everything
Just take it away
But they can never have yesterday 

You always used to say I should be thankful for every day Heaven knows what the future holds or at least how the story goes
(But I never believed them till now)
I know I’ll see you again I’m sure no it’s not selfish to ask for more
One more night one more day
One more smile on your face but they can’t take yesterday

I thought our days would last forever

(But it wasn’t our destiny)

Cause in my mind we had so much time

But I was so wrong

Now I can believe that I can still find the strength in the moments we made

I’m looking back on yesterday

All the broken dreams take everything

But they can never have yesterday 

Yesterday by Leona Lewis

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2 comments

  1. Liebe Mai,du hast mich mit deinem Bericht zu Tränen gerührt! Ich kann die Trauer um euren Lucky sehr gut verstehen ,Tiere lieben einen bedingungslos und halten die Treue .Lucky ist mit euch gross geworden und er ist ein Teil von euch und es schmerzt wenn man einen Teil verliert. Ich wünsche euch ,das die Trauer um Lucky, euch nicht die Freude nimmt auch an die schönen Jahre ,Tage und Stunden zu erinnern und das Herz wärmen.
    Grüsse ganz herzlich deine Eltern und deine Schwester und herzliche Grüße an dich ,
    Anne

    1. Liebe Anne,
      danke für deine schönen Worte. Wir halten alle zusammen und denken an die schönen Moment mit unserer Lucky. Wir haben noch Mimi, die uns etwas ablenkt, aber es ist schwer loszulassen. Eines Tages wird es einfacher werden, denn die Zeit heilt alle Wunden.

      Vielen Dank und Grüße an Familie

      Mai

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