Me, Myself and I: Warum es in letzter Zeit so still um mich geworden ist

Ihr Lieben,

sicherlich habt ihr euch gewundert, warum es in den letzten Monaten so ruhig geworden ist und ich leider nur sehr sporadisch schreibe. Das alles hat einen Grund: Me, Myself and I. 

Ich habe mich die letzten Monate sehr viel mit mir selbst beschäftigt und anderen Dingen Prioritäten gegeben. Das Schreiben dieses Blogs ist für mich eine Art Selbsttherapie, um all meine Erlebnisse zu verarbeiten. Auf den Bildern scheint meine Welt „picture perfect“ zu sein, aber ihr wisst das dies nicht so ist. Keiner führt ein perfektes Leben. Das letzte halbe Jahr war für mich sehr schmerzhaft und ich fand nicht mehr die Kraft von tollen Reisen zu berichten, zu lachen und euch zu zeigen, wie schön das Leben ist. Das wäre einfach nicht richtig. Mein Blog bin ich und ich habe mich nicht mehr wie ich selbst gefühlt.

Ich bin ein positiver Mensch, lache gerne (meist über andere und mich selbst), habe viel Spaß und genieße das Leben in vollen Zügen.  Diese Freude habe ich im Laufe des letzten Jahres Schritt für Schritt verloren.

Ich habe sehr lange Zeit geschwiegen und geduldet. Gewartet. Gehofft.

Die Hoffnung stirbt zuletzt, so sagt man. Wenn jedoch der Punkt erreicht wird, an dem es kein Zurück mehr gibt und einem alles egal ist, dann sollte man in sich fahren und überlegen. Diesen Tiefpunkt erreichte ich an einem Tag im März. Ich denke nicht gerne daran zurück, aber wegschauen ist auch keine Lösung. Schweigen ist keine Lösung. Darüber reden und der Tatsache ins Auge schauen ist es aber. So denkt man. So sollte es sein. Nur wenn alles so einfach wäre,  würde ich dann diese Zeilen tippen?

Ich habe mich seit diesem Vorfall mehr mit mir selbst beschäftigt. Was möchte ich in meinen Leben erreichen? Was macht mich glücklich? Lohnt sich all die harte Arbeit, all die Überstunden? Wann ist genug genug?

Es waren sehr viele Fragen.

Ich begab mich auf die Suche nach den Antworten und da kam es mir gerade recht, dass ich einige Tage nach „Doom Day“ auf die Malediven fliegen konnte. Wo könnte man nicht besser nachdenken, als in einer privaten Over-Water-Villa ?

Nach meiner Maledivenreise, war ich ein neuer Mensch. Ich kam erholt und ausgeglichen zurück und habe eine Entscheidung getroffen. Ich stelle mich an erste Stelle. Meine Lebensfreude und Gesundheit sind mir heilig und für kein Geld der Welt werde ich diese in Gefahr bringen.

Meine Selbstfindungpshase war noch nicht vorbei. Nein, sie hat erst angefangen, und auf meiner nächsten Station zu mir selbst, stand Japan. Japan war schon immer mein Traum (meine Bachelorarbeit handelte über das Tohoku Erdbeben von 2011 und seine Folgen für den Japanischen Tourismus) und so stieg ich voller Freude in die Abendmaschine nach Tokyo. Japan hat mich verändert. Ich habe gelernt, ruhiger zu werden und den Sinn des Lebens zu verstehen. Ich habe gelernt loszulassen, auch wenn es weh tut. Beim Spaziergang durch den magischen Sagano Bambuswald ließ ich mein altes Ich zurück und schöpfte neue Kraft für die nächsten Monate.

Diese Kraft benötigte ich auch, denn ich war David gegen Goliath. Ich begab mich auf einen wackeligen Pfad und es gab kein Zurück.

Ob ich der Sieger bin? Vielleicht? Vielleicht auch nicht? Kann es hier überhaupt einen Sieger geben?

Ich habe eine Entscheidung getroffen, die ich bis heute nicht bereue. Ich bin vielmehr dankbar dafür, dass man mir die Augen geöffnet hat. Es hat lange gedauert und war eine sehr schmerzvolle Erfahrung, die ich keinem wünsche.

Ich wünsche euch, dass ihr jemanden findet, der euch versteht, der euch als Mensch sieht, der euch einen schönen Feierabend wünscht, der fragt wie es euch wirklich geht, der euch nach einer langen Reise in den Arm nimmt und sagt „danke, dass du so hart arbeitest und dass du es solange mit uns aushälst“.

Ich stand vor einem Abgrund und wusste nicht weiter. Ich habe Monate lang nicht durchgeschlafen und mich manchmal in den Schlaf geweint. Tausend Gedanken sind mir durch meinen Kopf gegangen. Bin ich an meiner Situation selber schuld? Haben Sie Recht? Bin ich einfach zu schwach? Was muss ich tun, damit dieser Druck ablässt? Was habe ich falsch gemacht, damit man mich so demütigt? 

Ihr Lieben, das Thema Burnout wird allzuoft verschwiegen. Bei Burnout denkt man an einen Arbeitnehmer Ende 40 mit Familie, der einfach zu viel arbeitet. Nein, denn Burnout kann jeden treffen. Auch euch in euren jungen Jahren. Auch die Schülerin, die für die Zulassung zum Gymnasium lernt. Es kann in aller Form erscheinen und erwischt euch, wenn ihr gar nicht damit rechnet. Anstatt es zu verschweigen, solltet ihr ihm die Stirn bieten und es offen ansprechen. Vertraut euch jemanden an. Sprecht darüber und setzt es nicht aus. Alleine kann man das Monster nicht bekämpfen. Findet zu euch selbst und erkennt die Ursache des Burnouts. 

Ist es zu viel Arbeit? Brauche ich mehr Urlaubstage? Brauche ich Unterstützung?

Vereinbart einen Termin mit eurem Vorgesetzten und sprecht die Problematik an. Ein guter Arbeitgeber wird euch verstehen und euren Heilprozess unterstützen. Ein Schlechter wird euch alleine lassen und dann gibt es nur einen Weg. Die Notbremse ziehen und gehen. Mit erhobenen Hauptes. Mit Stil und in Würde. Um euer Selbstwillen. Sonst ist es zu spät.

Das Leben ist nicht perfekt, aber es wäre nah dran, wenn wir unsere Mitmenschen mit Respekt behandeln.

Ich bin in den letzten Zügen meiner Selbstfindungsreise und kann euch beruhigen. Mir geht es gut und ich bin jetzt sehr glücklich. Ich habe mich aus den Fängen lösen können und einen wirklich tollen Platz gefunden, für den ich sehr dankbar bin. Nach den ganzen Up and Downs, ist es schön verstanden zu werden und sich wieder auf die Arbeit zu freuen. Ich werde demnächst wieder reisen und hoffentlich wieder meine ganze Kraft erlangen, damit ich euch von den schönsten Plätzen berichten kann. Habt etwas Geduld mit mir 🙂

Vielen Dank für eure Zeit und bis ganz bald,

eure Mai

Whatever you do, never run back to what broke you by Frank Ocean

 

You may also like

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Follow

Get the latest posts delivered to your mailbox:

%d Bloggern gefällt das: