Typisch Japanisch – eine traditionelle Teezeremonie

„Sei um Punk 16 Uhr an der genannten Adresse! Und komm nicht zu spät“, sage ich meiner Begleitung und fühle mich wie eine Geheimagentin. Ich verabschiede mich und gehe zu Fuß in die Stadt, denn vor mir liegen 60 Minuten Kimonoanprobe und ein Fotoshooting. Der Spaziergang von Nijo-Mae nach Gion dauerte sicherlich 30 Minuten, aber es war ein schöner Spaziergang mit sicherlich drei Getränkepausen. Ich kann an keinem japanischen Getränkeautomat vorbeigehen und nicht einer der hunderttausend Getränkesorten ausprobieren. Fanta Lychee? Fanta Pfirsich? Wassermelone? Zuckermelone? Calpis Soda? Ohgott, ich bleibe hier. Ich kehre nie wieder zurück nach Hause.

Als ich gegen 14 Uhr im Kimonoladen ankomme, werde ich freundlich auf Englisch begrüßt und mir wird eine Tasche für meine Wertsachen gereicht. Als ob das hier in Japan nötig ist. Hier kann man seinen Geldbeutel auf der Straße lassen und er ist die nächste Woche immer noch da. Man sollte sich eher vor den Touristen in Acht nehmen, denn manche benehmen sich im Ausland ganz anders. Wenn ich da so an Mallorca oder Bali denke …

Eine junge Dame zeigt mir den Weg zu den wunderschönen Seidenkimonos und ich suche mir einen Kimono, einen Obi und eine passende Tasche aus. Die Qual der Wahl? Welchen Kimono nehme ich denn? Und welcher Obi (=der dazupassende Gürtel)? Ohman! Deswegen shoppe ich lieber online … Nach einer gefühlten Ewigkeit (ca. 15 Minuten) entscheide ich mich für ein Rot/Schwarz/Gold Kombination, denn rot harmoniert so schön mit meinem knackig braunen Teint 🙂

Ich werde in den nächsten Raum gewiesen, wo zwei Damen auf mich warten. Sie deuten an mich bis auf die Unterwäsche auszuziehen und die Kleidung in einen Korb zu legen. Die ältere Dame gibt mir eine Art Oberkleid in das ich hineinschlüpfe. Oha „Omanachtwäsche“ und zack bekomme ich ein Baumwolltuch um die Hüfte gelegt, dann ein zweites und ein drittes. Dann wird mir eine Plastikschablone zwischen die Lagen geschoben, der Seidekimono umgelegt, noch ein paar Lagen um mich gewickelt, dann der schwere Seideobi und 45 Minuten später bin ich 3 Kilogramm schwerer und kann mich keinen Zentimeter bewegen. Ich merke langsam, dass die 3 Flaschen Calpis und Sodo, sowie der Matchakuchen keine gute Idee waren … Langsam robbe ich mich in Richtung Eingangshalle, suche mir hölzerne Sandalen aus und gehe mit der Fotografin durch Gion spazieren. Hier und da werden Pausen eingelegt und gepost. Da ich keine Fotomodellgene besitze, sind die Fotos natürlich so lala. Man hätte mit mehr Photoshop drüber gehen sollen 🙂

Ich habe mich nun daran gewöhnt, nicht zu atmen und tippel durch die kleinen Gassen der Altstadt. Wie wunderschön es hier ist und überall riecht es so lecker. Nein Mai, du musst aushalten, sonst schaffst du deine Ramen heute Abend nicht. Und wenn schon. Dann platze ich eben, aber bin glücklich. Daher steuer ich den nächsten Reiskuchenshop an und erfreue mich an Grünteemochi. Wer kann der kann! Unterwegs entdecke ich meinen absoluten Lieblingsshop:  Totoro Fan Shop! Oh mein Gott, sie haben einen Riesentotoro wie in Hong Kong. Ihr erinnert euch an meinen Begeisterungsanfall als ich einen im Ocean Hong Kong gesehen habe?

Totoro and I Hong Kong 2016 ♥

Totoro and I Japan 2017 ♥

Gegen zehn vor vier Uhr suche ich das Camellia Tea House auf und warte gemeinsam mit 4 anderen auf unsere Teemeisterin. 5 Minuten später und er ist immer noch nicht da. Ohje, wo bleibt er denn? Ich zögere noch ein paar Minuten heraus und just erscheint meine Begleitung leicht verschwitzt in der Tür. „Mai, es ist ganz schön schwierig mit Google Maps den Weg zu finden“. Nun ja, das gebe ich zu und bin einfach nur froh, dass alles passt.

Meine Spezialität: „Überraschungen, die oft anders verlaufen als sie geplant sind“

Ich meine es oft zu gut und verrate die Überraschung nicht, zum Beispiel eine Nacht in DEM Hotel in Tokyo, Aman Tokyo, stehe in Shinjuku an der Kreuzung, wedle wie bescheuert nach einem Taxi, und muss nach einer Viertel Stunde frustriert die U-Bahn nehmen, weil mich keiner mitnehmen will. Für meine Begleitung, die nicht verstand, warum wir bereits einen Tag vorher aus unserer Wohnung auschecken mussten, war dies einfach nur amüsant. Jaja, ich sehe schon dein Grinsen vor mir. Auch hier habe ich mal wieder nicht verraten, dass wir an einer Teezeremonie teilnehmen, und beinahe ging das wieder schief, weil ich es nicht verraten habe. Wie gesagt, meine Spezialität Freunde.

Wir gehen die schmale Treppe des Machiyas (Teehaus) hoch und erreichen das Obergeschoss. In einem Nachbarzimmer setzen wir uns auf den Boden, die Männer sitzen hinten auf den Bänken, wir Frauen vorne im japanischen Sitz*Auaaaa*

Unsere Teemeisterin stellt sich vor und erzählt uns von der Geschichte der Teezeremonie, seiner Bedeutung für Japan und der Entwicklung über die Jahrzehnte. Wusstet ihr, dass es früher nur Männern erlaubt war eine Teezeremonie zu geben? Dann werden Porzellanschüssel und Teebesen verteilt. Langsam versuchen wir das Matcha (Grünteepulver) in schnellen Schlägen zu Schaum zu schlagen, aber scheitern kläglich daran. Spaß macht es auf jeden Fall.  Zu unserem doch etwas bitteren Tee wird eine japanische Süßigkeit gereicht, die mich an Gelee erinnert, etwas süß aber sehr lecker. Kann ich mehr haben?


Die Teezeremonie dauert ca. 45 Minuten und kostet 2000 Yen pro Person. Ihr könnt online auf der Webseite des Teehauses buchen: https://www.tea-kyoto.com Falls Ihr euch noch für eine Kimonoausleihe entscheidet, so empfiehlt sich der Kimono Plan für 3000 Yen zusätzlich. Ihr könnt euch ein Kimono schon am Vormittag ausleihen und es spätestens um 17 Uhr zurückbringen. Es sind auch Übernacht-Ausleihen möglich, je nach Kimonoshop.

Achja ich könnte den ganzen Tag von Kyoto und Japan erzählen und ich bin sicher, dass dies nicht meine letzte Reise dorthin war. Tokyo 2020, seid ihr dabei?



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