Sagano Bambuswald und Fushimi Inari-Taicha, Kyoto

Nach turbulenten Tagen in Tokyo, Hakone und Takayama, erreiche ich endlich Kyoto, das kulturelle Herz Japans. Hier findet man über 2000 Tempel, Schreine und wenn man Glück hat, begegnet man einer Meiko auf dem Weg zur Arbeit. Im Gegensatz zu Tokyo benutzt man hier das gute Busnetz, das einem vom Norden in den Süden oder Osten bringt. Tokyo kann man ganz gut alleine erkunden, jedoch empfehle ich für Kyoto eine geführte Tagestour, denn die Sehenswürdigkeiten sind überall verstreut. Viele Busse sind auch nicht in englisch beschriftet, sodass man nicht weiß welchen Bus man nehmen muss. 

Kyoto ist eine wunderschöne Stadt und man sollte mindestens  4 bis 5 Nächte einplanen. Zwei volle Tage benötigt man für einen Bruchteil der Sehenswürdigkeiten wie Kinkakuji, den goldenen Pavillion, Ryoa-ji, Gion, das Geisha-Viertel etc …

Meine absoluten Highlights (neben dem Essen) sind Sagano Bamboo Grove und Fushimi Inari-Taicha, die wohl berühmtesten Spots der Stadt, da diese kostenlos und traumhaft sind. Auf meinen Reisen in über 25 Länder lernte ich eines: Steh früh auf oder komm gegen Ende. Dazwischen brauchst du gar nicht zu den Sehenswürdigkeiten zu kommen. Darum entschied ich mich Sagano Bamboo Grove am frühen Morgen zu besuchen, denn wer will schon einen Wald voller Touristen?

Meine arme Begleitung musste in den sauren Apfel beißen und mit mir bereits um 7 Uhr zum Bahnhof Kyoto fahren (Gome Nasai, aber es hat sich gelohnt!). Von unserem Hotel nahe des Kaiserlichen Palastes benötigten wir ca. 30 Minuten nach Arashiyama Station. Von der Station folgt man der Beschilderung und läuft ca. 10 Minuten durch ein Wohngebiet. Am Ende des Gebietes überquert man eine Straße und folgt der Lichtung in den Wald. Um einen rum, schießen riesige Bambusse in die Höhe, die Sonnenstrahlen kämpfen sich durch das Dickicht und man findet sich in einer anderen Welt wieder.

Wir sind fast die einzigen im Bambuswald und lauschen den Vogelgezwitscher. Der Moment ist magisch. Einmalig. Nicht in Worte zu fassen.

Der berühmte Bambusweg ist nur ca 200 m lang. Kurz vor 9 Uhr morgens  kommen die ersten Chinesen mit Ihrem Trolley. Die Stimmung kippt, es wird immer lauter. Zeit zu gehen. Sayonara Sagano Bamboo Grove!


Wenn ihr die Straße entlang geht, passiert Ihr einen feschen Coffee Shop und die Togetsu Brücke. Biegt nach links ab und ihr kommt nach ca 10 Minuten zu der Tram Station Arashiyama Randen. Hinter der Bahnhofshalle findet Ihr den geheimen Kimono Forest, eine Ausstellung von Säulen in Kimono Stil. Dieser ist jedem zugänglich und abends besonders schön. Ein weiteres Geheimnis offenbare ich euch nun auch. Wenn Ihr durch den Kimono Wald geht, bis ganz ans Ende, findet Ihr mein Lieblingsgeschäft in ganz Kyoto. Versteckt liegt dort eine Oase für Spieluhrenliebhaber wie mich. Ganz klein und fein, finden sich hier unzählige Spieluhren. Als ich die Spieluhren von Ghibli höre, bin ich im 7. Himmel. Mein Nachbar Totoro, das Wandelnde Schloss, Chihiros Reise ins Zauberland. Alle sind sind sie hier und alle sind sie mein. Da kann die Kreditkarte glühen wie sie will. Ihr werdet wissen was ich meine, wenn ihr diesen Link anklickt und euch 1 Stunde diese Lieder anhört. Man vergisst alles um sich herum und ist mit sich total im Reinen.

Am Abend sollte Fushimi Inari-Taicha, welches auch „Schrein der Tausend Tore“ genannt wird, weniger besucht sein. Dachte ich jedenfalls. Von Kyoto Station fahren wir zwei Stationen mit dem lokalen Zug nach Inari und werden von einer Menschenmasse überrannt. Die Stimmung ist wie auf dem Rummel und meine Stimmung kippt (vielleicht liegt es auch daran, dass ich lange nichts mehr gegessen habe). Nun gut, wenn wir schon mal da sind, schauen wir uns die berühmten roten Tore an. Die über 1000 gespendeten* Tore hangeln sich einen Berg hinauf und die Besteigung des Berges dauert mit allem drum und dran ca. 3 Stunden. Für ältere Menschen ist dies absolut nichts, da es doch recht enge Wege sind. Ich empfehle einen kurzen Besuch, paar Bilder und darauf hoffen, dass man einen Moment ohne Menschen erwischt. Geduldsprobe. Eventuell einfacher mit vollem Magen.

*Jeder kann ein rotes Tor spenden, jedoch fangen die Beträge bei ca. 1000 € an. Diese habe ich gerade nicht parat und es gibt schon zu viele Tore hier.

Trotz der Menschenmassen lohnt sich ein kurzer Spaziergang durch die roten Toris. Es ist ein einzigartiger Ort und wäre noch magischer, wenn man früh am morgen kommt. Vielleicht zwischen 6 und 7 Uhr? Für den morgendlichen Spaziergang? Beim nächsten Mal werde ich das sicherlich testen, nur diesmal war einfach keine Zeit mehr. Falls Ihr euch wundert, warum überall Fuchsgesichter abgebildet sind. Der Schrein ist dem heiligen Fuchsgott gewidmet. Kauft euch eine Plakette und äußert einen Wunsch. Wer weiß, vielleicht geht dieser auch in Erfüllung? Mein Wunsch ein zweites Mal nach Japan zu reisen, wird sicherlich bald in Erfüllung gehen. Spätestens 2020, wenn die Olympischen Spiele und der Ghibli Park eröffnen.

 

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