Sonnenuntergänge und Ballonfahrten in Bagan

Nach zwei vollen Tagen in Mandalay ist es an der Zeit die wohl berühmteste Stätte des Landes zu besuchen. Keine andere Stadt strahlt so eine unglaubliche Ruhe und Einzigartigkeit aus wie Bagan. Von Mandalay kann man auf drei verschiedene Arten ins südlich gelegenen Bagan reisen:

  1. Per Flugzeug (dreizig Minuten Flugzeit)
  2. Per Schiff (Tagesfahrt oder kleine Kreuzfahrt wie zum Beispiel mit der Sanctuary Ananda, The Strand oder Belmond’s Road to Mandalay bzw. Orcaella)
  3. Per Auto über eine landschaftlich reizvolle Straße

Wie entschieden uns für Variante 3 und begeben uns auf eine abenteuerliche Reise nach Bagan, vorbei an grünen Reisfeldern und Dörfern. Hier und da kommen uns große Kuhherden entgegen und wir müssen dann anhalten. Die Straßen Myanmars sind nicht schlecht, aber auch nicht besonders gut. Es ist sandig und überall wird gebaut. Und es ist wahnsinnig schmutzig. Die Myanmaren kennen das Konzept der Mülltrennung oder Receycling nicht und legen Ihren Müll auf den Straßen ab. Dies ist aber ein alltägliches Problem in Südostasien. Ich erinnere mich an die Seitenstraßen Saigons, wo Berge voller Müll mir entgegenstinken und ich kurz vor knapp auf Gas gebe, um diesen zu entfliehen. Als Europäer ist es relativ schwer dies zu begreifen, aber ich bin hier in Asien und hier gelten andere Spielregeln.

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Die Fahrt nach Bagan dauert ca. 4 Stunden und mit Pause und Mittagessen sind wir in guten 5 Stunden in Bagan. Da unser Reiseleiter und unser Fahrer am selben Tag nach Mandalay zurückkehren, ist es empfehlenswert besonders früh aufzubrechen, damit diese abends zu Ihren Familien zurückkehren können.

Wir wohnen für die nächsten 3 Nächte im wunderschönen Hotel @ Tharabar Gate in Alt-Bagan. In Myanmar kann man die Hotels nicht mit dem deutschen Standard gleichsetzen. Es gibt nun einige Hotels, die fast dem europäischen Vier Sterne angehören, aber eben nur fast. Man darf nicht vergessen, dass man in einem der ursprünglichsten Länder der Welt unterwegs ist.

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Wie der Name schon verrät, liegt das Hotel @ Tharabar Gate, eben am Südtor der Stadt, unweit des Ananda Tempels. Oft werde ich gefragt, welches Hotel die bessere Lage hat. Nun, ganz einfach, es gibt keine gute oder schlechte Lage in Bagan. Ob Alt-oder Neu Bagan, es kommt nur darauf an, was dir wichtig ist. Eine gute Anbindung zu Bars und Restaurants, nah zu den Tempeln?

Die Antwort lautet hier weder noch, denn es gibt nur wenig Restaurants und fast gar keine Bars in Bagan. Wenn die Sonne gegen 6 Uhr untergeht, ist es an der Zeit Abend zu essen und das kann man dann im Restaurant nebenan oder im Hotelrestaurant. Es ist interessant, dass die Hotelrestaurants nicht absurd überteuer sind wie man es sonst aus anderen Teilen der Welt kennt. Klar, es ist nicht so günstig wie in einem lokalen Restaurant, aber es ist bezahlbar. Meine Kollegin und ich sind zum „Suppentrend“ konvertiert und ernährten uns fast nur noch von Linsen-und Gemüsesuppen. Diese waren sehr fein, mit 4-6 USD günstig und schnell zubereitet. Ab und zu brach dann doch die Lust nach Fleisch und westlichen Gerichten aus, sodass wir auch mal Pizza und Pasta bestellten. Mit 10 USD pro Stück war es doch erschwinglich.

Wir erreichten Bagan gegen 13 Uhr und unserer mandalayische Reiseleiter (sagt man das so?) wurde von unserem Reiseleiter aus Bagan empfangen. Auch er ist ein sehr freundlicher und vielwissender Reiseleiter, der seit über 16 Jahren diesen Beruf ausübt.

Wir dürfen uns zwei Stunden bzw. zweieinhalb Stunden entspannen, da ich noch eine halbe Stunde ausgehandelt habe, und werden zu einer Pferdekutsche gebracht. Entspannt geht es im Trab des Pferdes entlang der asphaltierten Hauptstraße entlang. Dann biegen wir rechts ab und befinden uns mitten in den Feldern, umgeben vor den berühmten Tempeln und Stupas Bagans. Hier und da hält der ältere Kutscher an, und lässt uns Fotos machen. „Look there!“ – sagt er und zeigt auf einen Tempel. „It is damaged by the earthquake of August“ – schüttelt mit dem Kopf und träumt vor sich hin. Toll, dass auch einige Kutscher etwas Englisch können. Die gemütliche Fahrt endet nach einer Stunde an einem Haupttempel. Bevor wir diesen erreichen, werden wir von einer älteren Touristin auf einem E-Roller und einer großen Herde Kühe umzingelt. Zum Glück sitzen wir oben und beobachten das Spektakel. Oma auf Roller versus Herde von Kühen. Der Sieger steht schon vor dem „Kampf“ fest.

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Am Tempel angekommen, empfängt uns unser Reiseleiter und wir klettern hoch auf die Spitze der Stupa, um einen traumhaften Sonnenuntergang zu erleben. Es ist voll. Sehr voll. Überall sind Touristen, aber auch sehr viele Einheimische. Gruppen von Schülern sehe ich, welche ich an den grünen Einheitslongyi erkenne.

Langsam geht die Sonne unter, aber es ist bewölkt. Schade. Langsam kämpft sich die Sonne durch und wir erleben einen mystischen Sonnenuntergang. Der erste Abend in Bagan neigt sich zu Ende.

Um 4:45 Uhr morgens klingelt der Wecker. Genervt krieche ich aus meinem bequemen Bett und verfluch die nächsten Minuten. Warum muss ich immer so früh aufstehen? Nun, der Sonnenaufgang wartet nicht auf dich Mai, also steh gefälligst auf. Murrend stehen wir in der Lobby des Hotels und warten darauf abgeholt zu werden. Zwei Schweinwerfer erscheinen in der Dunkelheit und ein knallroter antiker Bus hält an. Ein schmächlicher Myanmare springt aus der offenen Tür raus und hält ein Schreibblock in der Hand. „Eure Namen bitte?“ – „Mai und Rosalie“.

Wir steigen ein und nehmen Platz. Anscheinend sind wir die letzten Passagiere, denn es geht direkt zum Flugplatz. Die Straßen Bagans sind leer, nur wir rattern auf den Sandstraßen entlang und biegen auf einen Feldweg ab. Taschenlampen erscheinen im Dunkeln und weisen dem Fahrer einen Parkplatz an. Plötzlich halten wir und es steigt ein imposanter Europäer ein.

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„Guten Morgen liebe Passagiere! Mein Name ist … (ich hab es leider vergessen) und ich bin einer eurer Piloten! Ihr seid nun in meinen Händen, Gnade euch Gott, dass wir das überleben!“- grinst er mit seinem britischem Humor.

Pilot? Wieso brauchen wir heute morgen einen Piloten?

Ganz einfach! Wir erkunden heute Bagan aus der Luft aus, ganz stylisch mit einem Heißluftballon. Wer kennt es nicht, dieses Bild von den Heißluftballons über den wunderschönen Tempel Bagans? Genau so was wollen wir heute auch erleben und die Vorfreude steigt mit jeder Minute an.

Es ist noch stockdunkel als wir ankommen und wir warten bei Kaffee, Tee und Keksen. Die Piloten lassen einen Heliumballon steigen, um die Windrichtung einzuschätzen.

Der erste Ballon steigt, steigt und steigt und fliegt in die falsche Richtung. Oh nein!

15 Minuten wird ein zweiter Ballon hochgelassen, während die Sonne langsam aufsteigt.

Uns rennt die Zeit davon. Die Sonne steigt langsam auf und wir sitzen noch immer hier. „Ohgott!“, rennt es mir durch den Kopf und ich bin fast den Tränen nahe. Findet die Fahrt nicht statt?

Langsam wird es hell um uns. Ein dritter Ballon steigt auf und alle Blicke richten sich auf ihn. Wir bangen gemeinsam, wir zittern und wir jubeln, denn der Wind hat sich nach einer dreiviertel Stunde gedreht. Wir können starten.

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Plötzlich geht alles schnell. Javier, unser Pilot ruft sein Team und aus allen Ecken kommen Männer, die den Ballon innerhalb von 10 Minuten befüllen und startklar machen. Dann geht es los. Jeweils 4 von uns passen in einen der 4 Körbe rein, sodass wir maximal 16 Personen pro Ballon sind. Unsere Nachbarballons starten schon und sind 5 Meter über den Boden. Wir sind mal wieder die Letzten, aber sagte Gott nicht, dass die Letzten die Ersten sein werden?

Endlich heben wir ab und es ist unglaublich. Mittlerweile ist es schon hell, aber wir sind alle glücklich. Wir schweben über den Tempel Bagans und alle Sorgen sind vorbei.

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„Dreht euch mal alle um und grinst über beide Ohren! Da ist eine Go Pro und wir machen nun ein Familienbild“- ruft Javier und drückt auf den Knopf.

45 Minuten schweben wir über Bagan und winken den Dorfbewohnern und Bauern zu. 45 Minuten, die eine Ewigkeit dauern könnte. Es soll nicht aufhören, nein!

So schnell wie es anfing, so schnell und spektakulär hörte es auch wieder auf.

„In Landeposition Kameraden und gut festhalten!“- ruft der Pilot und zu. Dann wird es lustig. „Wir landen dort hinter dem gelben Ballon, nein nicht diesen Ballon, der zu früh landete, ich meine den anderen Ballon rechts von uns!“- kommuniziert er via Walkie Talkie. Ich fühle mich gleich viel sicherer. Langsam schweben wir Richtung Gelben Ballon und wir hören nur wie wir leicht nach rechts gedreht werden. Aus dem Nichts tauchen wieder die Männer auf und schieben uns in die richtige Position. Wups!

Wir machen ein letzte Go Pro Bild und steigen geschwindt aus. So schnell wie die Herren den Ballon aufgebaut haben, so schnell wird er wieder abgebaut. Die Myanmaren haben ein Tempo drauf, da kann sich der Flughafen BER mal eine Scheibe abschneiden.

Anschließend gibt es ein leichtes Champagnerfrühstück, wobei der Champagner auf leeren Magen schwer wiegt. Das Bananenbrot hingegen ist hervorzüglich.

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